Eröffnungsrede zur Ausstellung „protect me from what I am“

Aino Norton, Gastkuratorin am ddnakw

Zur ersten Ausstellung im Depot der nicht ausgeführten Kunstwerke begrüsse ich Sie ganz herzlich. Es freut mich ausserordentlich, dass wir dazu Hanspeter Keller gewinnen konnten diesen wunderbaren neuen Raum zu bespielen.

Podiumsgespräch: Wenn das nicht Kunst ist, was ist es dann?

Teilnehmer: Marcel Duchamp, Paris Hilton und Hanspeter Keller.
Moderation: Hanspeter Keller (die angefragten Personen: Besenfluss, Kurliger und Underist haben leider wegen der Unmöglichkeit dieses Unterfangens abgesagt)

Podiumsgespräch: Wenn das nicht Kunst ist, was ist es dann?

Teilnehmer:
MARCEL DUCHAMP, Paris Hilton und Hanspeter Keller.

Moderation:
HANSPETER KELLER (die angefragten Personen: Besenfluss, Kurliger und Underist haben leider wegen der Unmöglichkeit dieses Unterfangens abgesagt)

Hanspeter Keller hält eine lange Eröffnungsrede, die wir hier nicht wiedergeben. Marcel Duchamp, der soeben hereingleitet, unterbricht ihn.

MARCEL DUCHAMP: Du bist der 978‘431ste Mensch der in die Pissoir-Falle getappt ist. Irgendwie nicht amüsant.

HANSPETER KELLER: Da täuschst du dich. Es war gar nicht vorgesehen dich zum unendlichsten Mal zu zitieren.

MARCEL DUCHAMP: schweigt.

HANSPETER KELLER: Uns ist es gelungen ein Werk zu machen dass eben keine Kunst ist.

MARCEL DUCHAMP: Es gibt keine Lösung weil kein Problem da ist.

HANSPETER KELLER: Unsere Architektin ist eine strikte Gegnerin vom Stehpinkeln. Also hat sie keinen Raum für diesen Zweck vorgesehen. Das Baumanagement bestellte aber wie üblich die Sanitäreinrichtungen und diese wurden dann aus einer Museumskeramik für uns gefertigt.

PARIS HILTON: Ich habe nie gedacht dass Leute für ihr Geld arbeiten müssen.

HANSPETER KELLER: Erst als die Pissoire geliefert wurden haben wir festgestellt dass dafür gar kein Raum vorgesehen ist. Da wir die speziell gefertigten Sachen nicht zurückgeben konnten montierten wir diese eben in den Ausstellungsraum.

PARIS HILTON: Am einfachsten ist es einfach zu lächeln und den Tag anzugehen.

MARCEL DUCHAMP: Wie kommst du dazu die verwöhnte Hilton zu diesem Gespräch einzuladen? Und zu allem Überfluss widmest du ihr auch noch eine blaue Fotoserie. Da musst du aber eine blaue Periode gehabt haben. Ich meine nicht wie Picasso sondern du musst total blau gewesen sein.

HANSPETER KELLER: Ich finde diese Serie aber sehr gut gelungen.

MARCEL DUCHAMP: Amüsant. Diese völlig talentfreie Person taugt ja nicht mal zu einer 15 Minuten Berühmtheit wie es Andy Warhol postuliert hat.

PARIS HILTON: Ich treffe so viele Leute. Ich kenne nicht einmal die Namen meiner Freunde.

HANSPETER KELLER: Wenn du „Paris Hilton“ googelst  kriegst du in 0.14 Sekunden über 150 Millionen Treffer. Ganz zu schweigen von den unzähligen Freunden und Followers auf Facebook und Twitter.

MARCEL DUCHAMP: Uff……….

PARIS HILTON: Ich finde es nicht fair wenn ein Kind auf die Welt kommt und fortan fotografiert wird. Ich habe nicht um dieses Leben gebeten.

HANSPETER KELLER: Wenn ich mir diese Treffer und Freunde im Internet anschaue ist die liebe Paris doch die perfekte soziale Skulptur. Joseph Beuys konnte sich gar nicht vorstellen dass seine Idee in dieser Perfektion einmal umgesetzt sein wird.

MARCEL DUCHAMP: Wozu eigentlich dieser Beuys?

PARIS HILTON: schweigt.

MARCEL DUCHAMP: Vielleicht haben diese weissen Gipsmönche einen ontologischen Status. Sogar……………..

HANSPETER KELLER: Diese scheinen nur Mönche zu sein und sind auch nicht aus Gips. Sie sind aus weissgefasstem Edelstahlguss.

MARCEL DUCHAMP: Warum? Meinst du ein Kunstwerk sei identisch mit dem Material aus dem es besteht?

HANSPETER KELLER: schweigt.

MARCEL DUCHAMP: Oder denkst du ein Kunstwerk ist identisch mit der Idee des Künstlers? Vielleicht verstehen ja die Künstler die eigene Idee. Vielleicht auch nicht.

HANSPETER KELLER: Das war jetzt aber gar nicht nett.

MARCEL DUCHAMP: In der normalen Umgangssprache ist der Begriff Kunst ja ganz amüsant. Ob es Kunst überhaupt gibt weiss ich nicht und es ist für mich auch ohne Bedeutung.

HANSPETER KELLER: Du willst wohl dem Betrachter das Urteil überlassen.

MARCEL DUCHAMP: schweigt.

HANSPETER KELLER: Wenn jeder selbst beurteilen kann was Kunst ist erübrigt sich ja die Frage danach.

PARIS HILTON: Ich verschicke gern Dankes-Karten. Wenn jemand etwas besonders für mich gemacht hat dann schicke ich ihm eine Collage oder ein kleines Kunstwerk.

MARCEL DUCHAMP: Hanspeter!!! Ich halte diese impertinente Göre nicht mehr aus.

PARIS HILTON: Mein lieber Marcel. Ich will dir jetzt mal etwas sagen: Nur weil du mal ein Fahrrad-Rad auf einen Schemel geschraubt oder Pariserluft in einem Fläschchen eingesperrt hast meinst du du seist der Anubis der Kunst.
Auch ging deine Idee der Nichtkunst in die Hose. Nicht zuletzt wegen dir selbst. Als deine Schwester das erste Fahrrad-Rad in deinem Atelier weggeworfen hat flicktest du nochmal eins zusammen. Und in der Zwischenzeit sind alle deine Readymades in den Museen. Das ist aus deinem Konzept der indifferenten Sachen geworden.
Was sagst du nun lieber Marcel?

MARCEL DUCHAMP: schweigt. Sein Kopf läuft hochrot an.

HANSPETER KELLER: Sag doch was Marcel.

MARCEL DUCHAMP: Tu‘m………

HANSPETER KELLER: So ganz Unrecht hat sie ja nicht. Schau mal unsere Pissoire an der Wand an. Sind sie nicht in dem Moment zur Kunst geworden als sie die Schwelle zum Ausstellungsraum überschritten haben?


Und das hast du uns eingebrockt!


Kunst ist nicht mehr per se etwas was Künstler machen sondern man muss schon wissen wie eine Sache als Kunst verhandelt und gehandelt wird.

PARIS HILTON: Ich verstehe nicht warum alle berühmt werden wollen. Vielleicht um ein schönes Leben zu haben. Vielleicht denken sie berühmt zu sein ist ein einfacher Job.

MARCEL DUCHAMP löst sich auf und gleitet wieder ins Nirwana. Auch Hanspeter Keller verlässt den Raum.

PARIS HILTON: Für eine tolle Party braucht man vor allem eine tolle Gästeliste.
28.07.2011/Hanspeter Keller
(Bemerkung: Bis auf eine sind alle Aussagen von Paris Hilton Zitate aus dem Web.)